Robert Treml war – obwohl die Gitarre in seinem selbstverfassten Lebenslauf nur eine Nebenrolle zu spielen scheint – einer ihrer wichtigsten Protagonisten in der Zwischenkriegszeit. Er inspirierte u.a. den jungen Karl Scheit und verfasste eine wichtige Schule – Grundlagen des Gitarrenspiels (Hannover 1938).

 

Zwei Konzertprogramme aus dem Jahre 1925:

Konzertprogramm Linz
Kammermusikabend

Die folgende biographische Skizze stammt aus der Feier zu seinem 100. Geburtstag, verfasst von seiner Tochter Helga Jungwirth:

R O B E R T  T R E M L – Lebenslauf

Auf den heutigen Tag genau vor hundert Jahren, am 30. Juni l899‚ kam Robert Treml in Linz zur Welt. Nach der Grundschule besuchte er die Staatsoberrealschule Fadingerstraße, Abschluß mit Reifeprüfung 1917. In dieser Zeit bekam er umfangreiche musikalische Ausbildung und war auch Sängerknabe im Maria-Empfängnisdom zu Linz. 1917 wurde er zum Wehrdienst einberufen und diente als Fähnrich d.R. bis 1919 in Albanien, in der Nähe von Tirana. Aus dieser Zeit stammen die Zeichnungen dieser Ausstellung, die auch den tragisch-aktuellen Anlaß für diesen Gedenkabend gegeben haben.

Schwer erkrankt an Malaria kehrte er heim nach Linz und heiratete am 43. Dezember 1920 die Lehrerin Risa Hitsch. Gemeinsame Ideale und Tätigkeiten im Wandervogel waren wohl auch ausschlaggebend für diese Verbindung.

Ab l925 war er als Privatmusiklehrer tätig und gründete 1924 die Linzer Singgemeinde, einen Madrigal- und Motettenchor, den er bis zum Letzten Singabend am 10. März 1958 mit Erfolg auch geleitet hat. 1926 – 27 folgte, neben dem Broterwerb für die Familie, das Studium an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Abgang mit Reifezeugnis im Hauptfach Gitarre. 1930 folgte die Staatsprüfung für das Lehramt der Musik an Mittelschulen. Aber es war ihm nur kurze Zeit gegönnt, an Gymnasium und Realschule hier zu wirken. Die Leitung des Kirchenchores an der Linzer Martin-Lutherkirche fällt ebenfalls in diese Zeit.

Einen großen Raum in seiner Lebensarbeit nahmen immer wieder die Sing- und Spielwochen ein, mehr noch als in Österreich in vielen Städten Deutschlands. 1954 bis 1938 waren es 22 Ganztagssingwochen für Musikliebhaber und Fachleute aus Österreich, Deutschland, Tschechoslowakei, Polen, Schweiz und Südtirol. Ferner Abendsingwochen mit bis zu 200 Teilnehmern und über 50 Abendspielwochen für Gitarre 1929 bis 4958. 25 Singwochen waren es in Oberösterreich, darunter die unvergesslichen Almsingwochen auf der Fröstlalm bei Hinterstoder.

In dem Zusammenhang sei erwähnt, daß z.B. Prof. Hans Bachl an Tremls Singwochen teilgenommen hat und später oft erwähnte, wie ausschlaggebend die damaligen Anregungen für seine Arbeit mit der Sing- und Spielgruppe Oberösterr. Lehrer war. Die mittlerweile berühmte Salzburger Familie Trapp nahm vollzählig an einer Singwoche auf der Hütteneckalm teil und veranstaltete in ihrer neuen Heimat in Amerika ähnliche musikalische Wochen.

Der Bericht eines Bergsteigers in der Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereines aus dem Jahre 1933 mag uns in die Stimmung dieser Almsingwochen versetzen:

Zitat: Seit einigen Jahren findet nun in diesem Almgebiet während der Hochsommermonate auf der Schmiedleiten- und Fröstlalm eine alpenländische Singwoche statt. Ihr Leiter ist Robert Treml aus Linz, der regelmäßig eine Schar Könner und Kenner des Volksliedes um sich sammelt und bei diesen Singwochen uralte Volkskunst in echter und vollendeter Weise wieder aufleben läßt. Auf einer der vielen Wanderfahrten führte uns nun ein glücklicher Zufall auf die Fröstlalm, wo eben der vorletzte Tag einer Singwoche zu Ende ging. Wir konnten nichts anderes tun, als nur ergriffen lauschen und stille sein, wenn ein Jodler in klarer Sternennacht über den Almboden klang.

Prof. Hermann Derschmidt schreibt im Jahre 1966 in einem Bericht über die Singbewegung in Oberösterreich:

„Besonderer Aufschwung erfolgte, als Robert Treml von einer Singwoche Walther Hensels zurückkehrte. Als das Wesentlichste und Neue wurde empfunden, daß man in diesem neuen Singen das eigene musikalische Erleben als vordringlich ansah. Dazu gehört natürlich, daß der Chorleiter selbst an diesem Erlebnis beteiligt ist und es seinen Sängern auch mitzuteilen vermag. Dazu war Robert Treml in hohem Maße befähigt. Entgegen vielen anderen Mitarbeitern dieser Jugendmusikbewegung lag ihm aber auch unser heimisches, alpenländisches Musizier- und Singgut am Herzen. Treml verstand es auch, Mitarbeiter zu fördern und zu eigenen Tätigkeiten zu ermuntern. Meine eigene Arbeit als Chorleiter habe ich seiner Leitung zu verdanken.

Die Singwochenarbeit Robert Tremls geht in bescheidenem Maße in den Almsingwochen der Welser Rud weiter. Auch in den Musikschulen des Landes wird in diesem Sinne gearbeitet. Alle gute Arbeit trägt — irgendwann einmal — doch ihre Früchte.“

Aus den Jahren 1938 bis 1945 folgen die letzten Berichte. Robert Treml war in seiner Heimatstadt als Musikerzieher tätig, war Gründer und Leiter des Musikschulwerkes ab März 1959. Im damaligen Land Oberdonau wurden schon 10 Musikschulen geführt und weitere 15 geplant. Er verfaßte eine Gitarrenschule „Die Grundlagen des Gitarrenspiels“, weitere Kanonhefte, war musikwissenschaftlich tätig und hatte viele Pläne für seine musika1ische Arbeit.  Ein Jugendchor stand damals unter seiner Leitung, mit dem er in herzlicher Verbindung stand, an den er als väterlicher Freund ergreifende Briefe aus Rußland schrieb. So auch das Gedicht auf der letzten Tafel der Ausstellung.

Er war selbst ein guter Gitarrist, ein Pionier für die Bedeutung der Gitarre als Soloinstrument und in der Kammermusik und konnte nicht ahnen, welch hohen Stellenwert die Gitarre in unserer Zeit erreichen würde.

1939 zum Wehrdienst eingezogen, wurde er nur noch einmal neun Monate für die Arbeit als Leiter des Musikschulwerkes freigestellt.

Dann war er als Oberleutnant d.R. ein Jahr in Frankreich und die letzten drei Jahre in Rußland. Vom 9. April 1945 kam die letzte Nachricht aus dem Raum um Berlin. Seither ist er verschollen. Er mußte wohl den schwerem Schicksalsweg zu Ende gehen, der ihm die ersehnte Rückkehr zu seiner Familie und in die geliebte Heimat versagte. Seine Frau Risa mußte nach knapp 25jähriger Ehe dreißig Jahre ihres Lebens als Kriegerswitwe alleine meistern. Seine Familie weiß trotz aller Nachforschungen bis heute nicht, wann, wie und wo er sein Leben lassen mußte.

Sein Enkel Wolfgang Jungwirth – erst 11 Jahre später geboren – gleicht ihm in vielen Dingen, ist Musikpädagoge und Gitarrist wie er und wird uns jetzt ein Gitarrensolo spielen, das auch Robert Treml oft gespielt hat.

 

Linz, im Juni 1999

Helga Jungwirth geb.Treml

 

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